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Ein Graf will die Erfolgsgeschichte krönen

aus dem Bereich Biathlon erstellt am 02.11.2011 um 16:49 Uhr
Von: PNP.de

Das Bayerwald-Dorf Eppenschlag ist vom Fieber infiziert − vom Wintersport-Fieber. Der örtliche Verein schreibt seit Jahren Erfolgsgeschichte. Bestes Beispiel ist Spitzen-Biathlet Florian Graf.

Er ist das Aushängeschild des Vereins: Biathlon-Ass Florian Graf will sich für die Weltmeisterschaft qualifizieren.

Der junge Mann hat allen Grund zur Zufriedenheit. Vor einigen Wochen ist er deutscher Meister im Biathlon geworden, er hat gute Chancen auf einen Start beim Weltcup-Auftakt Anfang Dezember im schwedischen Östersund und − wenn bis dahin alles optimal läuft − sogar bei der Heim-Weltmeisterschaft 2012 im deutschen Biathlon-Mekka Ruhpolding.

Florian Graf ist das Aushängeschild seines Vereins. Der WSV Eppenschlag ist stolz auf ihn, und er stolz auf den WSV. "Trainer hatte ich schon viele, Vereine habe ich nur einen", sagt der 23-Jährige. Der Verein ist dafür verantwortlich, dass sich in dem 1000-Einwohner-Örtchen im Landkreis Freyung-Grafenau fast alles um Biathlon und Skilanglauf dreht.

Mit neun Jahren war Florian Graf beim WSV zum ersten Mal im Training. Damals nur als Langläufer und von wenig Erfolg gekrönt. Das änderte sich mit 14, als er seine Leidenschaft für Biathlon entdeckte. Bald schon sammelte er seine ersten Pokale. Deutscher Schülermeister und Deutschlandpokalsieger wurde er mit 16. Heute, sieben Jahre später, ist er Mitglied des A-Nationalkaders und hat ein großes Ziel vor Augen: die WM in seiner Wahlheimat Ruhpolding vom 29. Februar bis 11. März nächsten Jahres. Er würde seine eigene Erfolgsgeschichte krönen und die seines Vereins gleich dazu − sollte ihm das Kunststück gelingen, eine Medaille im Team- oder Einzelrennen zu holen.

 

Kommende Woche geht's jedoch erstmal ins kalte Finnland, gemeinsam mit den anderen deutschen Top-Biathleten ins Trainingslager nach Muonio. "Da hatten wir letztes Jahr um diese Zeit knapp 30 Grad minus, heuer soll's aber recht warm sein − zurzeit fünf Grad unter Null", witzelt Graf.
Mehr als 140 Titel für WSV-AthletenLeistungssport ist harte Arbeit, doch das Kraftpaket aus dem Bayerwald ist glücklich über seine Biathlon-Karriere − und Graf weiß, wem er sie zu verdanken hat: "Der Verein hat mir das ermöglicht", erklärt er. Eben jener WSV Eppenschlag kann sich seit Bestehen 54 Bayerwaldmeisterschaften, 50 Bayerische Meisterschaften, 28 Deutsche Meisterschaften und zehn Europacupsiege seiner Athleten auf die Visitenkarte schreiben.

 Denjenigen, der ihn zum Biathlon gebracht hat, kann Graf sofort nennen: "Ohne meinen ersten Trainer Hans Wallner wäre ich nie dazu gekommen", meint er mit einem Lächeln. Er schwärmt vom vielfältigen Training und der guten Stimmung im damaligen Team.

 

"Ja, das war eine tolle Zeit", meint auch Hans Wallner rückblickend. Teilweise mehr als 20 junge Sportler hatte er Mitte der 90er-Jahre in seinem Trainingsteam versammelt. Zusammen mit seinem Bruder Ludwig förderte er die Talente. Mit Sponsorengeldern wurden damals vier Luftgewehre gekauft. "Die Jungs waren sofort vom Biathlon begeistert", erinnert sich Wallner. Er selbst hatte mit Langlauf und Schießen lange Zeit nichts am Hut. Die Begeisterung seines Sohnes, der ebenfalls beim WSV aktiv war, machte ihn schließlich zum Biathlon-Trainer in Eppenschlag. Mit einem eigenen Kleinbus brachte er zusammen mit seinem Bruder die Schützlinge zweimal pro Woche zum Training an den knapp 50 Kilometer entfernten Arbersee. Im Sommer wurde auf Inlinern trainiert. "Die Jungs waren kaum zu bremsen und sehr ehrgeizig, aber alle haben zusammengehalten", beschreibt er die Atmosphäre im Team. Die Trainer hatten vor allem ein Auge auf die technischen Abläufe, Druck machten sie den Athleten nicht, dafür sorgten die Jungen selbst.

Und so schloss das Team die ganzjährig stattfindenden Wettbewerbe mit viel Erfolg ab. "Andere hatten vielleicht bessere Ski und besseres Wachs, wir hatten die bessere Stimmung und mehr Talent", sagt Wallner auf die Frage nach einem Erfolgsgeheimnis. Großes Potenzial hätten sie alle gehabt, einen künftigen Star unter seinen Schützlingen konnte Wallner damals noch nicht ausmachen. Besonders gern erinnert er sich heute an die ersten Übungen mit den Gewehren. "Wir haben damals aus Mangel an Alternativen bei mir in der Garage geschossen", erzählt er.

 

Regelmäßig standen seine Sportler vor der Türe und wollten schießen. Wallners Ehefrau beobachtete das Treiben in der Garage mit etwas Sorge, "passiert ist aber nichts", sagt der Erfolgstrainer. Streit mit seiner Ehefrau hatte er wegen des vielen Trainings auch nie. Aber: "Ganz normal fand sie es wohl nicht, dass ich regelmäßig um 4 Uhr aufgestanden bin, um mit den Buben zu einem Wettkampf zu fahren", meint Wallner lächelnd.
Trainingsstraße für Autofahrer gesperrtMehrmals pro Woche geht es im sonst so beschaulichen Dorf alles andere als ruhig zu. Knapp einen Kilometer außerhalb von Eppenschlag sind laute Anfeuerungsrufe, das Schleifen von Rollskiern auf dem Asphalt und dazwischen die Anweisungen von Trainer Josef Peindl zu hören. Die knapp zwei Kilometer lange Trainingsstrecke an einem Waldrand außerhalb des Dorfes ist für Autofahrer gesperrt. Die Trainingsgruppe kann sich also voll auf den Langlauf konzentrieren. In einer Schlange brettern sie auf Rollski über die vier Meter breite Straße. "Gut so und Tempo in den Anstieg mithineinnehmen", ruft Peindl den fünf Läufern zu. Gesagt, getan.