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Müßiggang: Graf wird richtig stark
Biathlon-Bundestrainer prophezeit dem Bayerwäldler im PNP-Interview große Erfolge
Man glaubt es kaum, aber in fünf Wochen ist schon wieder Biathlon − dann kommen die nationalen Stars der Szene wie Magdalena Neuner, Andrea Henkel, Michael Greis oder Andi Birnbacher in den Bayerischen Wald zur deutschen Meisterschaft im Hohenzollern Skistadion. Natürlich noch nicht auf Schnee, sondern auf Ski-Rollern. Im Vorfeld besuchte nun Bundestrainer Uwe Müßiggang das Leistungszentrum am Arbersee, um sich mit OK-Chef Sepp Schneider einen Überblick über den Stand der Vorbereitungen zu verschaffen. Die PNP sprach bei dieser Gelegenheit mit dem deutschen Erfolgscoach.
Herr Müßiggang, deutsche Meisterschaften vom 8. bis 11. September im Hohenzollern Skistadion − da hat’s noch nicht mal im kalten Bayerischen Wald Schnee. Warum richtet man solche Titelkämpfe im Spätsommer aus?
Uwe Müßiggang: Das macht man eigentlich schon länger so, und es ist eindeutig eine sportliche Aufwertung des Wettbewerbs. Denn früher war es noch so, dass man die deutsche Meisterschaft im Dezember gemacht hat. Da sind unsere erfolgreichsten Athleten dann nach drei Weltcups müde hingekommen. Und im Januar ist es mit drei Weltcups weitergegangen. Andere Athleten haben sich dagegen ausschließlich auf diese Meisterschaft vorbereitet. Der Leistungsstand war also ein ganz anderer, und das hat die Ergebnisse sehr verzerrt. Es sind Leute deutscher Meister geworden, die es normal nie geworden wären. Und dann hat es plötzlich in der Öffentlichkeit geheißen: Warum nehmt ihr eigentlich den deutschen Meister nicht mit in den Weltcup? Jetzt liegt die Meisterschaft vom zeitlichen Aufbau einfach deutlich besser.
Welchen Stellenwert hat dieser Wettkampf am Arber für die deutschen Biathleten?
Müßiggang: Also erstmal muss man sagen, dass die Skiroller inzwischen den Skiern sehr ähnlich sind. Es ist also absolut vergleichbar. Es werden auch alle unsere Top-Athleten am Arber mit dabei sein. Für sie ist es eine wichtige Leistungskontrolle vor dem Winter. Früher haben wir um diese Zeit immer die sogenannte zentrale Leistungskontrolle gemacht, jetzt ist es halt die deutsche Meisterschaft. Für die Athleten aus der zweiten Reihe geht es in diesem Wettkampf aber auch um die restlichen Plätze im Kader.
Auch der junge Bayerwäldler Florian Graf aus Schönberg gehört ja inzwischen zum A-Kader. Wie sehen Sie seine Entwicklung?
Müßiggang: Der Flo hat in der letzten Zeit mit die positivste Entwicklung durchgemacht. Das war ein regelrechter Leistungssprung. Er ist im letzten Winter in die Weltspitze gelaufen. Und er ist auch einer, der immer sehr fokussiert bei der Sache ist. Also wenn der Flo gesund bleibt, und weiter so fleißig trainiert, dann kann man von ihm einiges erwarten. Dann kann er richtig Erfolg haben.
Apropos Erfolg: Der Biathlonsport in Deutschland hat in den letzten Jahren eine unglaubliche Entwicklung genommen − was die Zuschauer in den Stadien, aber auch vor den Fernsehern angeht. Ist Biathlon in diesem Land auf dem Höhepunkt seiner Popularität angekommen, oder geht da noch mehr?
Müßiggang: Eines muss uns klar sein: Der Deutsche will Sieger sehen. Er will zu einem Wettkampf gehen, dort seine Fähnchen schwenken und am Schluss sagen können: ,Wir haben gewonnen!‘ Gerade auch die Frauen. Es wird eigentlich erwartet, dass jemand von uns oben auf dem Treppchen steht. Und das ist natürlich über einen längeren Zeitraum brutal schwer zu erfüllen. Die Popularität von Biathlon in Deutschland hat ganz entscheidend mit unseren Erfolgen in den letzten Jahren zu tun. Und deshalb muss uns bewusst sein, dass so etwas auch schnell kippen kann. Tennis ist da ein warnendes Beispiel. Und solche überragende Talente wie Magdalena Neuner, wo man schon in der Jugend gesehen hat, dass sie ihren Altersgenossinnen weit überlegen ist, bekommt man halt nicht jeden Tag. Was wir tun können ist, unseren Kader immer durchlässig für die Jungen zu halten.
In diesem Winter ist der große Höhepunkt sicherlich die Weltmeisterschaft in Ruhpolding. Sehen Sie eigentlich eine Gefahr, dass bei so einer WM im eigenen Land die enorme Erwartungshaltung irgendwann nicht mehr zu erfüllen ist?
Müßiggang: Fast alle Nationen haben gezeigt, dass es im eigenen Land besonders schwer ist. Aber wir haben fast nur erfahrene Athleten, die normalerweise mit dem Druck umgehen können. Aber wir müssen im Umfeld schon aufpassen, und hier sehr professionell arbeiten, dass außerhalb des Sports nicht zu viel auf die Athleten zukommt. Auch die Medienarbeit muss gebündelt werden. Ansonsten bin ich für die WM optimistisch. Die Trainingseindrücke sind jedenfalls positiv.
Das Gespräch führte Dominik Schweighofer.





