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„Wir brauchen keine 18 Millionen Euro“

aus dem Bereich Biathlon erstellt am 22.07.2011 um 12:20 Uhr

Deutsche Biathlon-Meisterschaften am Arber: Organisator Sepp Schneider im Interview

Sie soll und wird für Zuschauer-Ansturm am Arber sorgen: Biathlon-Star Magdalena Neuner. Foto: Imago

Sepp Schneider (53), 19-facher deutscher Langlaufmeister, vier WM- und zwei Olympiateilnahmen, seit 1993 Sportwart im Skiverband Bayerwald.

Ihnen will niemand eine Veranstaltung wegnehmen − im Gegenteil: Die Biathleten im Bayerischen Wald sind als Organisatoren hochkarätiger Wettbewerbe gefragte Partner der großen Sportverbände. Im September richten sie die deutschen Meisterschaften aus − ins Hohenzollern-Skistadion am Großen Arber kommen dann auch die ganz großen Stars wie die Weltmeister Magdalena Neuner, Andrea Henkel und Arnd Peiffer. Die Heimatzeitung sprach mit Organisator Sepp Schneider (Schneider Events) über Veranstalter-Ehrgeiz, waidlerisches Selbstbewusstsein und über eine Vision.

 

Herr Schneider, Sie ziehen mit den Bayerwald-Biathleten ein Top-Ereignis nach dem anderen an. Wie machen Sie das?

 

Schneider: Wir haben ein Team, das seit 12 Jahren mit solchen Veranstaltungen betraut und vertraut ist, mit Europameisterschaften, Europacups, deutschen Meisterschaften.

Da sind wir durchaus stolz, weil sich der Bayerische Wald die Dinge immer mehr erkämpfen muss als andere.

 

Umso mehr Glückwunsch zum Highlight mit Magdalena Neuner und Co.

 

Schneider: Ein Selbstläufer ist das nicht. Wir sind gerade dabei, die B-Lizenz zu beantragen. Ende September wird es wohl soweit sein. Denn nur wer lizenzierte Anlagen hat, wird in Zukunft solche Veranstaltungen durchführen können. Das ist so festgelegt worden von der Internationalen Biathlon-Union. Unser Ziel ist, dass wir 10 000 Zuschauer raufbringen an diesen drei Veranstaltungstagen.


Dann ist der erste Biathlon-Weltcup im Bayerischen Wald also nur noch eine Frage der Zeit?


Schneider: Das war das Ziel vor zehn Jahren. Man braucht ja Visionen. Aber gut, wir sind nicht so, dass wir größenwahnsinnig werden. Das Problem ist, dass es in Deutschland zwei Weltcup-Orte gibt und es andere Länder wohl nicht zulassen werden, dass es in Deutschland drei Weltcups gibt. Von der Anlage und der ganzen Struktur her könnten wir einen Weltcup schultern. Wir bräuchten gar keine 18 Millionen Euro, wie sie Ruhpolding für seine WM nächstes Jahr investiert hat. Vielleicht dürfen wir ja ein bisserl träumen.


Eine gelungene deutsche Meisterschaft wird da nicht schaden...


Schneider: Es soll ein richtiges Fest mit und um den Sport werden. Wir haben am 23. August eine Autogrammstunde mit Andrea Henkel, das ist um 15 Uhr bei Joska in Bodenmais, dort läuten wir dann auch die Endphase der Vorbereitung ein.


Sie sind dem DSV bestimmt dankbar, dass es auch für die Topstars eine Startpflicht bei den deutschen Meisterschaften gibt.


Schneider: Es geht es um Nominierungen fürs Weltcup-Team. Deswegen: Es sind alle Männer und Frauen, die in Deutschland Biathlon machen, in Langdorf am Start. Und so nah wie hier wird man an die Athleten auch nicht mehr herankommen. Hier sind die Zuschauer so dicht dran, dass sie jeden Atemzug der Athleten mitkriegen.
Herr Schneider, Biathlon ist die Boom-Sportart im Winter. Auch im Bayerwald. Woher kommt’s?
Schneider: Dieser Wechsel aus dem Schießen, dieser totalen Konzentration, und dem powermäßigen Laufen macht das Biathlon so interessant − für Athleten wie Zuschauer. Wir haben hier im Nachwuchsbereich immer so um die 25, 30 junge Sportler. Und die Leute, um sie zu betreuen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. So haben wir seit drei, vier Jahren einen sehr hohen Standard, sind im Schüler- und Jugendbereich nicht nur in Bayern, sondern in Deutschland führend, wenn ich an Ergebnisse bei deutschen Meisterschaften oder Deutschland-Pokal denke. Und jetzt haben wir mit Florian Graf einen, der den Jungen ein Beispiel gibt. Denn die sehen an ihm: Man kann tatsächlich bis ganz nach oben hin durchstarten. − mjf

 

SCHON GEWUSST?
Die Sache mit den Skirollern:
Wegen der Termindichte im Winter führen die Biathleten die deutschen Meisterschaften seit mehreren Jahren stets im September auf Skirollern durch. Die Geräte, die sie benutzen, gehören ihnen aber gar nicht. Diese werden von einer Firma zur Verfügung gestellt, vor der Veranstaltung getestet, dann wird jedem Athleten und jeder Athletin ein Paar zugelost. Unmittelbar nach einem Rennen ihre Roller zurückgeben. Nach dem letzten Rennen am Arber werden 140 Skiroller (70 Frauen / 70 Männer) in Kisten verpackt und nach Ruhpolding gebracht, wo der zweite Teil der deutschen Meisterschaften stattfindet. Am Arber finden Sprint-, Verfolgungs- und Staffelwettbewerb statt, in Ruhpolding Einzel, Massenstart und Mixed-Staffel.

 

Quelle: PNP
Freitag, 22. Juli 2011
Rubrik "Sport"

 

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